Die von Gesundheitsministerin Korinna Schumann geäußerten Überlegungen zu einem staatlichen Preisdeckel für die Honorare von Wahlärztinnen und Wahlärzten zeugen aus Sicht der Ärztekammer für Tirol von fehlender Lösungsorientierung und Phantasielosigkeit im Umgang mit den tiefgreifenden Problemen des österreichischen Gesundheitssystems.
Österreichs Gesundheitswesen leidet in erster Linie an strukturellen Defiziten, die über Jahre hinweg entstanden sind. Insbesondere der kassenärztliche niedergelassene Bereich wurde kontinuierlich, etwa durch Valorisierungen weit unterhalb der Inflationsrate, finanziell geschwächt. Gleichzeitig wurden zahlreiche Leistungen aus den Krankenhäusern in den niedergelassenen Bereich verlagert – jedoch ohne die dafür notwendigen strukturellen und finanziellen Ressourcen sicherzustellen.
In vielen Fachgebieten haben Wahlärztinnen und Wahlärzte Versorgungslücken geschlossen und einen wesentlichen Beitrag zur Aufrechterhaltung der medizinischen Betreuung geleistet.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die starke Reglementierung im Kassensystem. Vertragsärztinnen und -ärzte sind häufig gezwungen, unter erheblichem Zeitdruck zu arbeiten – eine sogenannte „Drei-Minuten-Medizin“ ist damit unausweichlich, um die zunehmende Anzahl von Patientinnen und Patienten überhaupt versorgen zu können. Viele Patientinnen und Patienten aber auch die Kassenärztinnen und -ärzte wünschen sich jedoch ausreichend Zeit für persönliche Gespräche und umfassende Beratung. Zudem können bestimmte Leistungen im Kassensystem derzeit gar nicht oder nur eingeschränkt angeboten werden, wie beispielweise in der Rheumatologie, Kardiologie oder kleine Eingriffe in verschiedenen chirurgischen Fächern.
Die Ärztekammer für Tirol fordert die Bundesregierung daher eindringlich auf, in einen sachlichen und lösungsorientierten Dialog mit allen wesentlichen Stakeholdern im Gesundheitsbereich einzutreten. Symbolpolitische Ankündigungen oder einseitige Maßnahmen, wie ein Honorardeckel, tragen nicht zur nachhaltigen Verbesserung der Versorgungssituation bei. „Honorardeckel werden Wahlärztinnen und Wahlärzte nicht in ein Kassensystem zwingen, dessen Ausbau derzeit weder von der ÖGK noch der Politik ausreichend vorangetrieben wird“, meint der Tiroler Ärztekammer-Präsident Stefan Kastner und stellt klar: „Ohne Versorgung durch Wahlärztinnen und Wahlärzte würde unser Gesundheitssystem längst zusammenbrechen.“
Wahlärztereferent Momen Radi ergänzt: „Die Ärztekammer für Tirol publiziert seit vielen Jahren auf ihrer Website die Tarifempfehlungen für die privatärztliche Honorarordnung, an welche sich die Wahlärztinnen und -ärzte in der Regel auch halten.“
Notwendig sind strukturelle Reformen, eine Stärkung des niedergelassenen Bereichs sowie faire Rahmenbedingungen für alle Ärztinnen und Ärzte – im Interesse einer hochwertigen medizinischen Versorgung der Bevölkerung.