Ärztekammer warnt: akute Versorgungsprobleme bei Schwangeren in Tirol

15.01.2024

Aufgrund der zahlreichen unbesetzten ÖGK-Kassenplanstellen für Frauenheilkunde und Geburtshilfe spitzt sich die Versorgungssituation von Schwangeren im Bundesland stetig zu. Die Ärztekammer für Tirol insistiert daher auf die Attraktivierung der ÖGK-Kassenstellen, um der prekären Situation entgegenzusteuern.

Derzeit gibt es in Tirol 31 ÖGK-Kassenplanstellen für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, wovon vier Stellen in Innsbruck, Hall in Tirol, Zell am Ziller und Reutte aktuell unbesetzt sind. Die unbesetzten Kassenstellen werden laufend ausgeschrieben, jedoch konnte für die genannten Stellen zuletzt – und das teilweise seit Mitte 2021 – kein:e geeignete:r Bewerber:in gefunden werden.

Die im System verbleibenden Kassenärztinnen und Kassenärzte sehen sich folglich einer zunehmenden Anzahl von Patientinnen gegenüber, sind zumeist über die Kapazitäten hinaus ausgelastet und müssen Neupatientinnen mitunter sogar ablehnen. Eine oft notwendige rasche Terminfindung und Versorgung ist insbesondere Schwangeren daher nur erschwert bzw. gar nicht möglich und stellt für viele Patientinnen eine große Belastung dar. Auch die gynäkologischen Ambulanzen in den Tiroler Krankenhäusern sind am Limit und können nicht noch mehr Patientinnen versorgen.

Die Versorgung der Versicherten obliegt gemäß dem Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz den Sozialversicherungsträgern, in diesem Fall der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK). Dr. Stefan Kastner, Präsident der Ärztekammer für Tirol: „Die zugespitzte Versorgungssituation der Schwangeren im Land ist ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig die Attraktivierung der ÖGK-Kassenstellen ist. Eine rasche Umsetzung eines zukunftssicheren und fair honorierten österreichischen ÖGK-Gesamtvertrages ist dringend erforderlich.“

VP MR Dr. Momen Radi, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, ergänzt: „Seit Jahren wird die kassenärztliche Versorgung in Tirol schlechter. Die Ärztekammer hat mit dem neuen Leistungskatalog die Grundlagen erarbeitet, um das Kassensystem signifikant zu verbessern. Jetzt ist die ÖGK am Zug, ihre Verantwortung für ihre Versicherten wahrzunehmen.“

Innerhalb der Fachgruppe für Frauenheilkunde und Geburtshilfe ist die zunehmende Verschlechterung der Versorgung ein brennendes Thema. Fachgruppenobmann Dr. Hugo Lunzer: „Schwangere sind eine besondere Klientel: Es geht um zwei Leben. Es ist etwa völlig undenkbar, neun Monate auf einen Untersuchungstermin zu warten, Interventionen müssen oft sehr kurzfristig passieren.“

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