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Ärztemangel - offene Kassenstellen auch bei Fachärzten

Präsident Wechselberger: Liberalisierung der Kassenverträge, zeitgemäße Leistungskataloge, attraktive Honorare aber keine staatlichen Übergabepraxen

Bei der letzten Stellenausschreibung in Tirol blieben 11 Facharzt- und sechs Hausarztstellen ohne Bewerber, erinnert Präsident Wechselberger an die seit Jahren prekäre Situation bei Kassenstellenbewerbungen in Tirol. „Deshalb ist es begrüßenswert, dass die Problematik nun auch bei den Spitzen der Bundespolitik angekommen ist", so der Tiroler Ärztekammerpräsident zu den Vorschlägen von BM Pamela Rendi-Wagner in Alpbach.

Aufgrund der zunehmenden Nachfolgeprobleme wurden in Tirol schon in den vergangenen Jahren vorausschauend viele der Vorschläge der Bundesministerin umgesetzt. „Übergabepraxen, Jobsharing und allgemeinmedizinisches Mentoring gibt es schon, zumindest in Tirol", verweist Wechselberger auf die Bemühungen von Ärztekammer und Tiroler Gebietskrankenkasse. Öffentliche finanzielle Unterstützung dafür und ein Lehrstuhl für Allgemeinmedizin fehlen allerdings. „Um nicht missverstanden zu werden: Wir brauchen Unterstützung bei der Praxisgründung
und -übergabe. Was wir aber nicht wollen sind staatliche Übergabepraxen, wie sie von Seiten Rendi-Wagners angedeutet wurden", stellt Wechselberger klar und verweist darauf, dass die Versorgung durch frei niedergelassene Ärztinnen und Ärzte das Erfolgskonzept der letzten Jahrzehnte war. Dieses System sollte daher nicht in Frage gestellt, aber zeitgemäß unterstützt werden.

Weitere offene Forderungen sind: Schaffung eines Facharztes für Allgemeinmedizin, ein breites und von den Krankenkassen bezahltes Leistungsspektrum ohne Honorarlimitierungen, aber mit attraktiven Tarifen sowie liberale, den Bedürfnissen der Ärztinnen und Ärzte entsprechende Zusammenarbeitsformen. „Wenn sich Arbeit wieder lohnt, selbstbestimmt ist und wertgeschätzt wird, dann werden sich auch wieder niederlassungswillige Kassenärzte finden. Solange man im Vertragsarzt aber nur einen Kostenfaktor sieht, der kontrolliert und limitiert werden muss, werden die Kassenpraxen weiter unbesetzt bleiben", warnt Wechselberger mit Blick auf die noch immer wachsende Bürokratie und staatliche Einflussnahme.