Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Walter Dorner, erneuert anlässlich des Weltnichtrauchertages seine Forderung nach einem strengeren Tabakgesetz, nach einem strikten Rauchverbot im öffentlichen Raum, insbesondere in der Gastronomie, und vor allem nach besserer Raucherprävention vor allem bei Kindern und Jugendlichen. „Österreich ist, was den Nichtraucherschutz angeht, nach wie vor ein Entwicklungsland“, hielt Dorner am Donnerstag in einer Aussendung fest. In den vergangenen Jahren seien diesbezüglich kleine Schritte gesetzt worden, die in die richtige Richtung führten. Auch die ÖÄK habe sich den Nichtraucherschutz auf die Fahnen geheftet und unter anderem mit der Zertifizierung rauchfreier Betriebe ein klares Signal gesetzt.
Die laxe Haltung der Politik führe jedoch dazu, dass Österreich in der Prävention zurückfalle. Dorner: „Die Politik sollte die Initiativen der Ärzte fördern und sich aktiv um Nichtraucherschutz und Prävention bemühen anstatt die derzeitige halbherzige Lösung auch noch schön zu reden.“ Sich auf den Koalitionspartner herauszureden, sei billig, zumal sowohl Gastronomen als auch Bevölkerung ein allgemeines Rauchverbot zum überwiegenden Teil befürworten würden. „Der Minister muss also keine Angst haben, dass er wegen eines strengeren Rauchergesetzes sein Amt verliert“, spielte Dorner auf die im Jahr 2013 bevorstehenden Wahlen an.
Die aktuellen Zahlen zum Rauchverhalten der Österreicherinnen und Österreicher bezeichnete der Ärztechef als „erschreckend“: „Dass 40 Prozent der 15- bis 29-Jährigen regelmäßig zum Glimmstängel greifen, sollte Anlass genug sein, um endlich ein striktes Rauchverbot einzuführen und das Angebot an Rauchertherapie auszuweiten“, sagte Dorner. Speziell Kinder und Jugendliche müssten besonders geschützt werden, Österreich halte hier nach wie vor einen traurigen Rekord. Zwar sei der Raucheranteil bei den elf- bis 15-jährigen Mädchen seit 1998 von 26,2 auf 19,5 Prozent und bei den Burschen von 23,3 auf 16,6 Prozent gesunken, aber „das ist noch immer zu viel. Am liebsten wäre mir ein Wert von null Prozent“, betonte der ÖÄK-Präsident.
Das Vorhaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO), den Anteil der rauchenden Bevölkerung bis 2040 weltweit auf fünf Prozent zu senken, sei unbedingt zu unterstützen, so Dorner. In Österreich werde es allerdings nicht einfach sein, immerhin liege der Raucheranteil bei 38 Prozent. Gleichzeitig werde nur ein Bruchteil der öffentlichen Gesundheitsausgaben für Raucherprävention verwendet. Dorner: „Warum man nicht die Erträge aus der Tabaksteuer zweckgebunden in die Prävention und Therapie fließen lässt, ist mir ein Rätsel.“ Zur Prävention gehörten auch höhere Strafen für jene, die nach wie vor Tabakwaren an unter 16-Jährige verkaufen; auch dieses Geld könne für Aufklärung und Therapie verwendet werden, so der Ärztechef.
„Wir haben noch einen sehr langen Weg vor uns. Die ÖÄK ist wie schon in den vergangenen Jahren bereit, ihren Beitrag dazu zu leisten, dass die Zahl der Raucher und die Zahl der Erkrankten nachhaltig sinken. Nur brauchen wir dazu die volle Unterstützung der Politik“, appellierte Dorner abschließend an den Gesundheitsminister. (sl)